So sorgen „schnarchende“ Schleiereulen für Freude in der Kirche

Tiere in der Kirche (2) –  Viele Gemeinden der rheinischen Kirchen beheimaten teils schon seit Jahrzehnten Tiere wie Schleiereulen. Die Kirchengemeinde Marienberghausen macht vor, wie Tierschutz in Kirchen aussehen kann. Im zweiten Teil unserer Serie „Tiere in der Kirche“ lesen Sie, wie bei dem Projekt zudem eindrückliche Videoaufnahmen entstanden sind.

Dort wo die Schleiereule in der Bibel erwähnt wird, genießt sie zumindest indirekt Schutz. So heißt es im 3. Buch Mose 11,18, dass Eulen nicht geschlachtet und gegessen werden dürfen. Viele engagierte Menschen in der rheinischen Kirche haben sich aber zur Aufgabe gemacht, Schleiereulen sehr viel stärker zu schützen. Sie geben ihnen in und an Kirchengebäuden eine Heimat.

Schleiereule war vor Jahrzehnten noch gefährdet

„Schleiereulen haben wir seit etwa 15 Jahren vor Ort“, sagt Dietmar Hartmann, Umweltbeauftragter der evangelischen Kirchengemeinde Marienberghausen. Dabei galt die Schleiereule vor einigen Jahrzehnten noch als gefährdet, wie es in einem Porträt auf der Webseite des Naturschutzbundes Deutschland (NABU) heißt. Die Wahl zum Vogel des Jahres 1977 hat jedoch die Aufmerksamkeit auf den Vogel und seinen Schutz gelegt.

Schleiereulen haben ein markantes Gesicht. Foto: Stevie-B/CCBY-SA-2

Gemeinden finden schnell Anleitungen und Kauftipps für Nistkästen

Die offensichtlichste Maßnahme zum Schutz ist die Installation eines Nistkastens für die Schleiereulen. Durch Gebäudesanierungen sind an vielen Gebäuden Nistmöglichkeiten verbaut worden und geschlossenen Wärmedämmungen gewichen. In Marienberghausen sind die Eulen nun in der Pfarrscheune heimisch geworden – einer zum Gemeindehaus umgebauten Scheune. Beim Neu- und Umbau des Gemeindehauses wurde eine „Eulenstube“ von etwa 4 bis 5 Quadratmeter eingerichtet. Nistkästen können interessierte Gemeinden selbst bauen oder auch im Handel erwerben. Eine Anleitung zu beidem stellen Tierschutzorganisationen  bereit. Mit der Installation allein ist es nicht immer getan, denn die Nistkästen brauchen Pflege. „Einmal im Jahr kommen Vertreter des NABU und reinigen Nistplätze“, so Hartmann.

Spektakuläre Videoaufnahmen von Eulen aus Marienberghausen

Wer sich die Mühe macht, kann dann zum Teil spektakuläre Bilder betrachten. In Marienberghausen wurde ein Eulenpaar beispielsweise beim Liebespiel beobachtet – und sogar gefilmt. Das Schauspiel lässt sich nun bei YouTube beobachten.

Wer schnarcht da in der Kirche?

Doch nicht nur zu sehen, sondern auch zu hören gibt es einiges, wenn Schleiereulen sich in einer Kirche niederlassen. Denn der Schrei von Jungtieren nach Futter erinnert stark an menschliches Schnarchen. Es braucht also niemand während eines Gottesdienstes Angst haben, „dass da wohl einer oder gar mehrere in seiner Kirche eingeschlafen seien“, wie es auf der Webseite des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) Hessen heißt.

Schleiereulen können auch in Kirchtürmen heimisch werden. Foto: Alun-Williams333/CC-BY-SA-4

Bei der Ansiedlung von Schleiereulen auf andere Tiere achten

Wachsam sollten Tierfreundinnen und Tierfreunde auf jeden Fall sein, wenn es darum geht zu erkunden, welche Tiere neben Schleiereulen noch rund um die eigene Kirche leben. Sind beispielsweise Fledermäuse vor Ort, kann es sein, dass die Schleiereulen sie über die Zeit vertreiben.

Worauf es bei der Ansiedlung von Fledermäusen generell ankommt, erklären wir im dritten Teil unserer Serien „Tiere in der Kirche“. Im ersten Teil ist zu lesen, wie Turmfalken in Kirchtürmen leben.

In Teil vier berichten wir über Bienen und Kaninchen, die in Kirchgärten ein Zuhause finden.

Fotos via Wikimedia Commons: Stevie B, CC BY 2.0; Alun Williams333, CC BY-SA 4.0

  • 15.3.2021
  • Aaron Clamann
  • Red