[Kirchenkreis Moers] Schülerinnen und Schüler bringen ihre Gefühle und Gedanken mit in die Schule.
Die Stundenpläne sind gefüllt und die Schultage eng getaktet. Aber die Zeit im November lädt trotzdem dazu ein innezuhalten. „Mit den dunklen Tagen und den Feiertagen wie z.B. Allerheiligen und Allerseelen sowie dem Volkstrauertag rückt die Erinnerung an Verstorbene in den Mittelpunkt.“ sagt Steffi Curuvija, Trauerbegleiterin am Hermann-Gmeiner-Berufskolleg. Berufschulpfarrerin Sabine Dehnelt ergänzt: „Trauer hat viele Gesichter. Sie zeigt sich nicht nur wenn jemand stirbt, sondern auch, wenn sich etwas in unserem Leben grundlegend verändert: eine Beziehung zerbricht, ein Traum wie eine Seifenblase zerplatzt oder wir das Gefühl haben, den Boden unter den Füßen zu verlieren.“
An die Verstorbenen liebevoll erinnern
Beide haben mit Studierenden aus der Fachschule für Sozialpädagogik einen Trauerraum gestaltet, der bis zum letzten Schultag vor dem Ewigkeitssonntag geöffnet war. Geplant und vorbereitet wurde der Trauerraum im Rahmen des Religionsunterrichtes. „Dort konnten sich die Schülerinnen und Schüler und auch die Lehrkräfte unabhängig von Religion umsehen, an Menschen denken, die ihnen fehlen, und mit kleinen Impulsen sich an die Verstorbenen liebevoll erinnern.“, erklärt Steffi Curuvija.
Herzenspost
Auf Tischen standen Kerzen – der Sicherheit wegen LED-Kerzen – auf fließenden Tüchern, kleine Steine, mit denen die Trauernden Heranwachsenden symbolisch Abschied nehmen konnten. Aus einer Vase ragten Zweige, die von Origami-Schmetterlingen umflattert wurden. Ein dickes Schreibheft lag bereit, anonym von den Gedanken an eine verlorene Person zu berichten. Es erzählt von Dankbarkeit und Glück, aber z. B. auch vom frühen Tod eines Elternteils. Mit Herzenspost konnten sie Nachrichten an einen geliebten Menschen schreiben und sie in einem Glas aufbewahren. Die Besucherinnen und Besucher konnten auf Zetteln ihre Wut zum Ausdruck bringen, sie zerknüllen oder zerreißen und dann in einem Behälter loswerden. Wolken aus Watte machten aus der Tafel einen Himmel. „Wenn die Schülerinnen und Schüler in den Raum kamen, haben viele von ihnen die Stimme gesenkt und sogar geflüstert“, erzählt Sabine Dehnelt. Der Raum strahle eine besondere Atmosphäre aus, die sich im Verhalten der jungen Besucherinnen und Besucher widerspiegle.
Jeder Mensch trauert anders
Schulleiterin Marlies Zimmermann-Schubert, auch Religionslehrerin, freut sich über die Initiative und das Projekt. „Es wird viel über Trauer in der Öffentlichkeit geredet, und doch scheint sie mir weiter ein Tabu. Dieser Raum in unserem Berufskolleg bot in vielfacher Weise die Möglichkeit, mit Trauer interaktiv und kommunikativ umzugehen: Die Schülerinnen und Schüler konnten an den verschiedenen Stationen ihre Gefühle, Gedanken und Liebe zum Ausdruck bringen. Und so konnten sie auch voneinander erfahren, dass jeder Mensch anders trauert und die jeweilige Trauer genau so richtig ist.“

