[Kirchenkreis Moers] Am 14. und 15. November 2025 trafen sich die Abgeordneten der 20 ev. Kirchengemeinden im Kirchenkreis Moers zur gemeinsamen Synode. Sie begannen ihre Beratungen mit einem Abendmahlsgottesdienst in der ev. Kirche in Hochheide. Pfarrer Andreas Prumbaum-Bidovsky predigte. Die Kollekte in Höhe von 667,92 Euro wird vom Kirchenkreis Moers verdoppelt. Eine Hälfte geht an Menschen, die vor den militärischen Auseinandersetzungen im Osten der Demokratischen Republik Kongo fliehen. Die verbleibende Hälfte ist für die Erdbeben- und Taifunopferauf den Philippinen vorgesehen.
Nach dem Gottesdienst sprach Pfarrer Dr. Frank Peters, Kirchenrat der Ev. Kirche im Rheinland ein Grußwort. Auch die Superintendent:innen der Nachbarkirchenkreise, des Partnerkirchenkreises Oderland-Spree, sowie der Landrat des Kreises Wesel, Ingo Brohl, sandten Grüße.
Bericht des Superintendenten
Anschließend berichtete Wolfram Syben, Superintendent des Kirchenkreises Moers vom vergangenen Jahr. Die Menge der Herausforderungen und notwendigen Entscheidungsprozesse in einer Kirche mit zunehmend weniger Mitgliedern und schwindenden Geldmitteln in einer Zeit beschleunigter gesellschaftlicher Gegenwart könne das Erleben von Getriebenheit herstellen. „[…] bei aller Wichtigkeit, die notwendigen Dinge zügig voranzubringen, um uns nicht in unergiebigen Dauerprozessen zu verschleißen, tut es gut und ist es enorm hilfreich, immer mal wieder auf Distanz zum drängenden Tagesgeschäft zu gehen und Grundsätzlicheres in den Blick zu nehmen. Aller erlebten Kurzatmigkeit kann so etwas entgegengesetzt werden. Und der Gegenbegriff zu ‚kurzatmig‘ ist dann nicht ‚langatmig‘, sondern es geht dabei um die heilsamen größeren Zusammenhänge. Denn die Kirche Jesu Christi ist eine Gemeinschaft mit langem Atem.“ Als Beispiel nannte er das Konzil von Nicäa im Jahr 325, das die Grundlagen schuf für die Christinnen und Christen weltweit bis heute.
Gelungene Beispiele des vergangen Jahres
Der Wahrnehmung der Getriebenheit setzte er auch entgegen, was alles im vergangenen Jahr im Kirchenkreis gelungen ist. So habe die Ausbildung für ehrenamtliche Seelsorgende begonnen. Die Gebäudebedarfsplanung, mit der die Gemeinden entscheiden, welche gemeindlichen Häuser und Kirchen sie in Zukunft benötigen werden und klimaneutral fit gemacht werden müssen. Am Martinstift sei ein Gedenk-Ort entstanden, der die Schuld von Kirche und Diakonie für die sexualisierte Gewalt an Jungen in dem ehemaligen Alumnat in den 50er Jahren öffentlich mache. Die Verantwortlichen hatten die Gewalt zugelassen und anschließend aktiv beschwiegen, um Schaden von ihren Institutionen fernzuhalten. „Dieses Schweigen zu erleben, ist eine jeweils individuelle Katastrophe für alle, die solches Leid erlitten haben.“
Präventionsmaßnahmen gegen sexualisierte Gewalt
Den Mitarbeiterinnen vom Bildungswerk „FRIEDA“ dankte er für die Organisation der Präventionsmaßnahmen im Kirchenkreis Moers zum Schutz vor sexualisierter Gewalt. Bis Ende November werden 990 Teilnehmende an den Schulungen teilgenommen haben. Ebenfalls dankte er allen Verantwortlichen in den Kirchengemeinden und Arbeitsbereichen, die dafür Sorge tragen, dass alle ihre haupt- und ehrenamtlich Mitarbeitenden an den verpflichtenden Schulungen teilnehmen. „So entwickelt sich unsere Achtsamkeit und Aufmerksamkeit Stück für Stück weiter und stärkt den Schutz, für den wir verantwortlich sind.“ Um mögliche weitere frühere Gewalttaten aufzudecken, habe ein Screening der Akten von Kirchenkreis und Gemeinden durch unabhängige Fachkräfte begonnen, berichtete Syben den Synodalen.
Zusammenarbeit
Hinsichtlich der finanziellen Belastungen riet der Superintendent zur Zusammenarbeit, wie die Kirchengemeinden z. B. schon derzeit gemeinsam Kirchenmusiker:innen einstellen oder die Notfallseelsorge von mehreren Kirchenkreisen getragen würde.
Vertrauen in die Vitalität der guten Botschaft für unserer Welt
Schließlich wies er mit aktuellen Fotos eines Baumes, der im Jahr 1999 vom Orkan „Lothar“ umgerissen wurde, darauf hin, dass dieser heute noch blühe. „Er treibt wieder aus, sein Sprößling bleibt nicht aus. Für mich bindet dieser Anblick beides in sich zusammen: Sowohl die so schmerzhafte Seite des Unter-Druck-Geratens in den Stürmen unserer Zeit und, ja, vielleicht auch manchmal des Umfallens, der Beendigung von lange Zeit stabil gewesenen Strukturen. Und zugleich das tiefe Vertrauen in die Vitalität des Evangeliums, der guten Botschaft für unserer Welt, die auch wieder neue Triebe, neue Begeisterung und neuen Halt hervorbringen wird.“
Eine Aussprache folgte dem Applaus für diesen Bericht.
Diskussionen der Berichte aus den Arbeitsbereichen
Im letzten Tagesordnungspunkt des ersten Synodaltages diskutierten die Synodalen in wechselnden Gruppen die Berichte aus verschiedenen Arbeitsgebieten des Kirchenkreises, etwa der Bildungseinrichtung FRIEDA, der Grafschafter Diakonie, der Ev. Beratungsstelle Duisburg / Moers, der Notfall- und der Telefonseelsorge, des Verwaltungsamtes, der Öffentlichkeitsarbeit etc.
Der Abend schloss mit dem Segen um 21.25 Uhr.
Dank der neuen Moerser Bürgermeisterin
Der nächste Morgen begann mit einer Andacht von Pfarrerin Natascha Klose. Dann sprach die neue Bürgermeisterin der Stadt Moers, Julia Zupancic, ein Grußwort. Sie führte Beispiele an, was kirchliche Arbeit für die Stadtgesellschaft leiste, etwa seelsorgliche Arbeit, Beratungsstellen, Tafeln, Jugend- und Kulturarbeit, KiTa-Arbeit und Unterstützung von Geflüchteten in Not „Ich danke Ihnen allen sehr für Ihr Engagement, Ihre Bereitschaft zum Zuhören und vor allem für konstruktiven Austausch.“ Ihren Dank richtete sie an alle, die sich in Pfarr- und Gemeindearbeit, in Bildung und diakonischen Projekten für die Menschen einsetzen. „Ihr Einsatz macht unsere Gemeinschaft lebendig und tragfähig.“
Infos zu Leitbild und Geschäftsordnungen
Anschließend hörten die Synodalen den Statusberichts des entstehenden Leitbildes des Kirchenkreises Moers, beschlossen die Geschäftsordnung der Kreissynode sowie des Nominierungsausschusses, der die synodalen Wahlen vorbereitet und Kandidatinnen und Kandidaten für Wahlen vorschlägt. Informationen zum regionalen Pfarrstellenkonzept der Region VI (Neukirchen, Vluyn, Lintfort und Hoerstgen) sowie II (Baerl und Duisburg-Homberg) für die Jahre 2026 bis 2030 folgten.
Ev. Beratungsstelle Duisburg / Moers
KSV-Mitglied und Mitglied im Vorstand der Ev. Beratungsstelle Duisburg / Moers, Anne Eichhorn berichtete, dass sich die Synode des Kirchenkreises Duisburg eine Woche zuvor dafür ausgesprochen hatte, einen Übergang der Ev. Beratungsstelle, die gemeinsam von den Kirchenkreisen Duisburg und Moers getragen wird, in diakonische Trägerschaft zu prüfen. Dazu soll es Gespräche geben.
Gehörlosenseelsorge
Da die bisherigen Gehörlosenseelsorgenden in der Region I der Evangelischen Kirche im Rheinland – sie umfasst die neun Kirchenkreise An der Ruhr, Duisburg, Dinslaken, Essen, Kleve, Krefeld-Viersen, Moers, Oberhausen und Wesel – in den Ruhestand gehen, wird die Zusammenarbeit in diesem Seelsorgebereich neu geordnet. Künftig übernehmen eine Pfarrperson sowie eine pädagogisch qualifizierte Fachkraft mit einer 75-Prozent-Stelle beim Diakoniewerk Essen die Aufgaben. Damit kann die 7. Pfarrstelle des Kirchenkreises Moers entfallen, sofern die Landeskirche dem zustimmt.
Ev. Laboratorium
Die Kooperationsvereinbarung der Kirchenkreise Dinslaken, Duisburg, Moers und Wesel zur Trägerschaft des Laboratoriums (Ev. Zentrum für Arbeit, Bildung und betriebliche Seelsorge) war ursprünglich bis April 2023 befristet. Die Frist wurde später bis zum 31.12.2025 verlängert. Mit diesem Tag endet nun dieser Dienst. Am 2.12.2025 gibt es deshalb eine gemeinsame Abschlussveranstaltung der Trägerkirchenkreise in der Kreuzeskirche in Duisburg-Marxloh , Kaiser-Friedrich-Str. 40. (Weitere Infos dazu: Eine Anmeldung dazu ist bis zum 21. November unter laboratorium@ekir.de oder Mobil: 0179 758 7289 erforderlich. Der Eintritt ist frei.)
Finanzierungsvertrag mit der Grafschafter Diakonie
Des weiteren sprachen sich die Synodalen dafür aus, den Finanzierungsvertrag mit der Grafschafter Diakonie unverändert beizubehalten. Er wird alle zwei Jahre überprüft, das nächste Mal in der Synode im November 2027.
Verwaltungskostenumlage
Hinsichtlich der Verwaltungskosten beschlossen die Synodalen nach intensiver Aussprache, die Beratungen über die künftige Höhe der Umlage fortzusetzen. Ziel ist es, in einem Entwicklungsprozess Effizienz- und Kostensenkungspotenziale zu finden und gleichzeitig die Qualität der Verwaltungsdienstleistungen für die Gemeinden zu sichern. Die Verwaltungsmitarbeitenden sollen daran mitwirken.
KiTa-Fonds
Eine separate Umlage für den KiTa-Fonds wird für das Jahr 2026 nicht erhoben. Für das Kindergartenjahr 2025/2026 stehen gemäß den KiTa-Fonds-Richtlinien 280.000 € bereit. Die Regionen können die Mittel ab Frühjahr 2026 beantragen.
Haushalt
Für das Jahr 2026 werden den Gemeinden und dem Kirchenkreis nach verschiedenen Abzügen, u. a. der Pfarrbesoldung für rd. 24 Gemeindepfarrstellen, etwa 14,26 Mio. € aus Kirchensteuermitteln zur Verfügung stehen.
- Davon erhalten die Gemeinden 75 % des Verteilbetrages. Das entspricht einer Pro-Kopf-Zuweisung von 135,00 € pro Gemeindeglied. Eine Gemeinde mit 2.000 Mitgliedern z. B. erhält also 270.000 €, die zur Deckung ihrer Ausgaben für die Gebäude wie Kirchen und Gemeindezentren sowie die Gehälter von Jugendleiter*innen, Kirchenmusiker*innen und dem Küster*innen- und den Verwaltungsdienst zur Verfügung stehen.
- Für die gemeinsam synodal wahrgenommenen Aufgaben erhält der Kirchenkreis Moers 25 % des Verteilbetrages, das entspricht ca. 3,56 Mio. €. Davon werden Aufwendungen der Arbeitsbereiche bezahlt, etwa Gehälter der Mitarbeitenden im Bildungswerk FRIEDA, die Arbeit der Ev. Beratungsstelle sowie Funktionspfarrerstellen, z. B. der Krankenhausseelsorge etc.
- Die Verwaltungskostenumlage liegt bei etwa 3,4 Mio. €, der Haushalt des Verwaltungsamtes bei etwa 4,63 Mio. €. Die im Stellenplan vorgesehenen 50 Mitarbeitenden in Voll- oder Teilzeitstellen inkl. zwei Auszubildenden sind im Dienst der derzeit 20, nach einer großen Fusion mit dem neuen Jahr 17, Kirchengemeinden und für den Kirchenkreis tätig. Ihre Aufgaben beginnen bei der Vertragsgestaltung mit Organist*innen und reichen von der Abwicklung des Zahlungsverkehrs über die Haushaltsplanung und das Erstellen von Jahresabschlüssen und Bilanzen bis zu Informationen zu rechtlichen Fragen und Begleitung und Protokollführungen in Sitzungen der gemeindlichen Leitungsorgane. So ermöglicht die Verwaltung die Arbeit der Kirchengemeinden in einem komplexen gesellschaftlichen Umfeld und hat damit Bedeutung für jeden Bereich der kirchlichen Arbeit vom Gottesdienst bis zur Gemeindediakonie mit ihrer sozialen Arbeit.
Der Haushalt kann vom 24.11.2025 bis 23.12.2025 in der Superintendentur des Kirchenkreises Moers, eingesehen werden. Bitte vorher unter 02841 100125 einen Termin ausmachen.
Wahl
Pfarrer Yannick Barnekow, Kirchengemeinde Moers, wurde zum 2. stellvertretenden theologischen Abgeordneten zur Landessynode gewählt.
Die Synode schloss um 13:15 Uhr mit dem Segen. Die nächste Synodaltagung ist für den 12. und 13. Juni 2026 geplant.
Weitere Information:
Lesen Sie den Bericht des Superintendenten im PDF-Format online.

