[Kirchenkreis Moers] „Wenn Musik Menschen berührt, ist sie wert, gespielt zu werden, egal, ob sie von Lady Gaga, Led Zeppelin oder Udo Jürgens ist“, sagt Manuel Füsgen. „Und auch ganz gleich, ob sie von ausgebildeten Sängerinnen und Sängern oder Nachwuchsbands interpretiert wird.“ Der 34-Jährige hat die neu geschaffene Stelle des Popkantors im Kirchenkreis Moers übernommen. Wo immer die evangelischen Kirchengemeinden es wollen, kann es deshalb in den Kirchen vom Duisburger Westen bis Alpen bald auch neue Töne zu hören geben. „Ich lasse mich gern einladen zum Musizieren oder Beraten. Zudem werde ich auch Bands und Chöre unterstützen. Das kann vom Coaching reichen bis zur akustischen Gestaltung des Konzertauftritts.“ Hintergrund: Die meisten Kirchen sind von Alters her für Orgel und Chöre ausgerichtet, aber nicht für Schlagzeuge, Percussion etc. Füsgen hat gelernt, den Raumklang akustisch zu erfassen und Instrumente so auszusteuern, dass sie auch in schwierigen klanglichen Räumen einen guten Zusammenklang bilden. „Wenn manche Gemeindegruppe schlecht zu spielen scheint, liegt das wahrscheinlich nicht an ihrem Können, sondern dass der Raumklang nicht passt. Den kann man aber gut in den Griff bekommen.“
Begeisterung in Kirchen

In die Musik und das kirchliche Leben ist Füsgen hineingeboren. Seine Mutter, Kirchenmusikerin in Düsseldorf, hat seinen Wunsch, Gitarre zu lernen, gern unterstützt. Bald nahm sie ihn zu Konzerten mit, in denen er seine ersten Auftritte hatte. „Ich habe damals Begeisterung in Kirchen erlebt, wo man eher nicht gewohnt ist, zu applaudieren, sich mitzubewegen oder gar zu tanzen.“
Musikpädagogisch in Jugendhilfe
Trotz dieser Erfahrungen studierte er nach einem freiwilligen sozialen Jahr Sozialpädagogik. Als ihn ein Professor in einem Seminar zu musikpädagogischer Arbeit singen hörte, riet er ihm, nach dem Studienabschluss auch Musik zu studieren. Das tat er zuerst in Vorbereitung im Bereich des Jazz, dann an der Evangelischen Pop-Akademie Witten mit der Gitarre als Hauptinstrument. Währenddessen arbeitete er musikpädagogisch in der Jugendhilfe weiter. „Das war mir eine wichtige Erfahrung, Kinder und Jugendliche, die in Elternhaus oder Schule Schwierigkeiten hatten, manchmal gar kein Instrument erlernt hatten, bis zum Bühnenauftritt zu bringen und zu sehen, wie sie Selbstbewusstsein gewonnen haben“, sagt Füsgen.
Begleitung von Bands
Ähnliches kann er sich auch für den Kirchenkreis Moers vorstellen, etwa Gemeindeglieder, die ein Instrument spielen, musikalisch zu mobilisieren oder Jugendliche, die eine Band aufbauen wollen, zu begleiten. „Ich habe erlebt, wie engagiert die Teilnehmerinnen und Teilnehmer erst an den Projekten mitwirkten und sich später fest in der Gemeinde verwurzelten“, so seine Erfahrung als Popkantor in Solingen. Zudem steht auf der Liste seiner Ideen, größere Events, vielleicht Mitsingkonzerte, oder gemeinsame Auftritte von Chören und Posaunen, ergänzend zu dem bestehenden Angebot zu initiieren.
Populäre Musik passt gut zu Kirche
„Ernste und populäre Musik haben unterschiedliche Funktionen, unterscheiden sich aber nicht hinsichtlich der Qualität.“ Etliche alte Gesangbuchchoräle beruhen auf weltlichen Liedern, denen ein christlicher Text gegeben wurde. Und obwohl die heutige Popmusik oft auf einfachen Harmonien basiert, verändert z. B. schon eine minimale Verschiebung des Basstons den Charakter einer Passage, und ein zusätzlicher Ton nuanciert einen Akkord. Solche Feinheiten zu beherrschen bedarf es des Wissens, Könnens und des Gefühls. Und wie in der Klassik sind fast immer viele daran beteiligt, bis ein Konzert oder eine Aufnahme gelingt. „Die populäre Musik hat ein anderes Ziel als die klassische: Wenn die Zuhörenden bewegt werden und sich bewegen, ist es ein tolles Konzert oder ein toller Gottesdienst. Dass passt sehr gut zur Kirche.“
Weitere Informationen
- Manuel Füsgen hat an der Evangelischen Pop-Akademie Witten studiert. Er spielt mehrere Instrumente, darunter Gitarre und Klavier und singt.
- Seine Popkantorenstelle in Solingen bekam er nach einem gemeinsamen Auftritt mit Judy Bailey, bei dem er die Solinger Kreiskantorin begeisterte.
- Bei seinem Vorstellungsbesuch am 16. März 2026 überzeugte er die Besucherinnen und Besucher aus dem ganzen Kirchenkreis Moers damit, wie er sie zum Singen motivierte und ein Stück mit ihnen einstudierte. Noch am selben Abend fiel die Entscheidung, ihn einzustellen.
- Privat hört der 34-Jährige ein breites Spektrum von Musik von Pop über Rock bis zu Metall. Konkrete Namen sind z. B. Queens of the Stone Age oder Stevie Wonder, der für ihn zum Vorbild wurde. Privat spielt er zudem gern Jazz, aber auch Flamenco, der Klassik mit dem Groove populärer Musik verbindet.

