Grafschafter Diakonie: „Lebenssituationen sind deutlich komplexer geworden“

Christiane Pickel arbeitet seit 40 Jahren in der Offenen Sozialberatung und hilft in sozialen Notlagen und bei persönlichen Krisen weiter

  • Nr. 4068
  • 22.11.2023
  • 3154 Zeichen

Bei ihrem Umzug nach Moers hieß der Bundeskanzler noch Helmut Schmidt. Auch sonst hat sich viel gewandelt, seit Christiane Pickel im Jahr 1982 als frisch diplomierte Sozialpädagogin mit dem Anerkennungsjahr in das Berufsleben startete. Acht Mitarbeitende bildeten das damalige Diakonische Werk Kirchenkreis Moers. In der heutigen Grafschafter Diakonie ist sie zusammen mit ca. 800 Kolleginnen und Kollegen in den Einrichtungen und Diensten des Wohlfahrtsverbands für die Menschen am linken Niederrhein im Einsatz. Als Schwerpunkt der 40 Berufsjahre hat Christiane Pickel die Offene Sozialberatung gewählt. Sie hilft Ratsuchenden weiter, die sich in einer persönlichen Krise oder einer sozialen Notlage befinden. Damals wie heute spielt es in den Beratungsterminen keine Rolle, um welche Art von Schwierigkeiten es sich handelt. Ob die Notsituation etwa durch Armut, wegen einer familiären Krise, auf Grund von Krankheit, Jobverlust, einer Trennung oder wegen anderer Ereignisse, entstanden ist. 200 Männer und Frauen hat die Sozialpädagogin im Jahr 2023 auf ihrem Weg aus der Krise begleitet. „Die Zahl der Ratsuchenden ist gestiegen und die Lebenssituationen sind in den Jahrzehnten deutlich komplexer geworden“, berichtet Pickel. Hatten die Ratsuchenden in den 1980er Jahren vor allem mit einzelnen Lebensbereichen zu kämpfen, gibt es heute meist eine Kombination mehrerer Problemfelder und es kommen z.B. ein Jobverlust, eine Suchterkrankung, eine Schuldenproblematik oder psychische Probleme zusammen. Die Beratungen gestalten sich zudem weitaus multikultureller. „In meinen Anfangsjahren kamen die zugewanderten Klientinnen und Klienten hauptsächlich aus Griechenland oder der Türkei. Jetzt beraten wir Personen aus 20 bis 25 verschiedenen Nationen“, sagt sie. Eine Erfahrung, die die 64-Jährige als wertvoll empfindet. „Ich lerne viel von ihnen, über andere Kulturen, Religionen, ihre Werte. Der Austausch darüber bringt uns näher zusammen“, ist sie überzeugt. Diese Erfahrung hat sie erst vor kurzem wieder gemacht. Mit einem muslimischen Klienten diskutierte sie über die Folgen des Kriegs in Nahost. „Wir haben alle denselben Abraham“, war das Fazit des Mannes. „Das hat mich beeindruckt“, sagt sie.

Info: Die Sozialberatung geschieht vertraulich, auf Wunsch anonym, ist kostenlos und aus Eigenmitteln der Grafschafter Diakonie finanziert. Die Fachkräfte leisten die Beratung so lange sie nötig ist und begleiten die Ratsuchenden von einer Dauer von ein bis zwei Terminen bis zu mehreren Jahren. Unter anderem helfen sie bei der Durchsetzung sozialer Ansprüche, bieten persönliche Beratung bis hin zu praktischer Unterstützung an. Bei Bedarf vermitteln sie an Fachdienste wie die Schuldnerberatung, die Wohnungshilfe, die Drogenhilfe der Grafschafter Diakonie oder andere Einrichtungen weiter. Die Beratungen finden in der Regeln nach Terminvergabe statt. Kontakt: Beratungsstellte Moers, Tel.:02841 781840, Beratungsstelle Kamp-Lintfort, Tel.: 02842 928420, Beratungstelle Rheinberg, Tel.: 02843 903630, Beratungsstelle Rheinhausen, Tel.: 02065 90870, Beratungsstelle Homberg, Tel.: 02066 99740

 

  • Pressereferat Kirchenkreis Moers