Wie ein Hund in Bonn bei der Seelsorge hilft

Tiere in der Kirche (5) – In der Pandemie sind Tiere für viele Menschen ein wichtiger Halt und bieten Trost. Das gilt auch für Tiere in der Kirche und das weiß auch Pfarrer Oliver Ploch aus Bad Godesberg. Er bietet seit dem vergangenen Jahr Seelsorgespaziergänge an, bei denen der Pfarrhund Musti mittlerweile eine wichtige Rolle einnimmt.

In den bisherigen Teilen unserer Serie „Tiere in der Kirche“ haben wir mit Turmfalken, Schleiereulen und Bienen Tiere vorgestellt, die einen Schutz durch Menschen benötigen. Bei Pfarrhund Musti ist das ein wenig anders. Denn er ist es, der vielen Menschen Hilfe und Schutz bietet. Musti lebt bei Oliver Ploch, der Pfarrer in der Thomaskirchengemeinde in Bad Godesberg ist. Doch Oliver Ploch und Musti wohnen nicht nur zusammen, sie arbeiten auch gemeinsam.

Beim Seelsorgespaziergang entsteht positive Atmosphäre

Denn seit gut einem Jahr lädt Oliver Ploch zu Seelsorgespaziergängen ein, bei denen sein Hund mit dabei ist. In der Pandemie seien Termine ausgefallen, die Freiraum für Seelsorgeangebote gegeben hätten, erklärt Ploch. Die Idee zu den Spaziergängen mit Hund habe schließlich ein Kollege gehabt. Ploch selbst war sofort voll von dem Angebot überzeugt. „Den Hund mitzunehmen ist einfach eine Win-Win-Situation, weil fast alle auf so ein Tier positiv reagieren“, sagt Oliver Ploch. Das gelte auch für Menschen, die selbst keinen Hund haben: „Insgesamt ist die Atmosphäre lockerer und fröhlicher, wenn Musti dabei ist.“

Pfarrhund Musti wird prominent

Der Pfarrhund hat es mittlerweile schon zu lokaler Prominenz gebracht. So haben Medien wie der „Generalanzeiger“ aus Bonn über Musti berichtet und auf YouTube war der Hund schon in Videos der Gemeinde zu sehen.

Beim Spaziergang geht es auch um das Verhältnis zur Natur

Die gute Atmosphäre, die Musti verbreitet, wirke sich auf den Gesprächseinstieg bei der Seelsorge aus, sagt Oliver Ploch. Auch wenn das Angebot niederschwellig erscheint, bleiben die Gespräche nicht oberflächlich. „Durch das Gehen sind die Gesprächspartner stärker auf sich fokussiert und auf das, was ihnen im Moment wichtig oder problematisch ist“, sagt der Pfarrer. Dass man in der Natur mit einem Tier unterwegs ist, führe auch dazu, dass es in den Gesprächen auch mal um „unser Verhältnis zu Tieren oder der Natur“ gehe.

Oliver Ploch trifft demenzkranke Menschen gemeinsam mit Musti

Doch es geht längst nicht nur um das Verhältnis zwischen Mensch und Natur, sondern auch darum, wie sich Menschen untereinander begegnen und auch, wie jede und jeder Einzelne zu sich selbst findet. Oliver Ploch ist aus seiner Seelsorgerarbeit zum Beispiel eine Begegnung in Erinnerung geblieben, die zeigt, wie Kontakt zu Menschen entstehen kann, die in anderen Situationen kaum reagieren. „Eine besonders berührende Situation war, als eine demenzkranke Frau, die schon lange kein Wort mehr gesprochen hatte, den Hund streichelte und plötzlich den Namen ihres früheren Hundes nannte und dabei ein Lächeln über das gesamte Gesicht strahlen ließ“, erzählt Ploch.

Bei Spaziergängen ordnet der Pfarrer auch eigene Gedanken

Er hat in gewisser Weise auch einen neuen Zugang zu sich selbst gefunden: „Seit wir den Hund haben, mache ich selbst vielmehr Spaziergänge oder Wanderungen, auch bei schlechtem Wetter. Ich mache die Gänge auch gerne alleine. So ordne ich meine Gedanken, komme zur Ruhe und entspanne in Wald und Flur.“

In Düsseldorf-Gerresheim geht Pfarrhund Ferra spazieren

Nicht nur in Bad Godesberg, sondern auch in Düsseldorf gibt es das Angebot von Seelsorgespaziergängen mit Hund. Im Stadtteil Gerresheim bietet dort Pfarrerin Christina von Bennigsen von der Evangelischen Kirchengemeinde Gerresheim Interessiert ein, eine Runde mit ihr und Pfarrhund Ferra an der Seite zu gehen. Immer dienstags ab 17.30 Uhr oder nach Vereinbarung geht es los – egal bei welchem Wetter. Den Kontakt zu Christina von Bennigsen und Ferra finden Sie auf der Webseite des Kirchenkreises Düsseldorf.

Hier geht es zu den weiteren Teilen des Serie „Tiere in der Kirche“

Gut möglich, dass bei den Spaziergängen oder schon bei einem Treffen an der eigenen Kirche auch andere Tiere gesichtet werden. Denn in und rund um Kirchen haben zahlreiche Kirchen ihre Heimat. In unserer Serie „Tiere in der Kirche“ haben wir so schon gezeigt, wie Turmfalken, Schleiereulen und Fledermäuse leben. In einem weiteren Teil erfahren Sie, wie Gemeinden Bienen schützen und in Kirchgärten angesiedelt haben.

  • 22.4.2021
  • Aaron Clamann
  • Red